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Hund wird gebürstet

Fellpflege zwischen den Terminen: Was wirklich hilft - je nach Felltyp

Wie oft du zu Hause bürsten solltest und womit, hängt weniger von der Rasse ab als vom Felltyp. Zwei Hunde unterschiedlicher Rassen mit demselben Felltyp brauchen fast dieselbe Pflege – zwei Hunde derselben Rasse mit unterschiedlichem Fell dagegen nicht. Das ist keine Erfahrungsregel, sondern inzwischen auch genetisch belegt: Eine Studie im Fachjournal Science hat gezeigt, dass drei einzelne Gene – RSPO2, FGF5 und KRT71 – über Locken, Länge und die typischen Barthaare (die "Furnishings" bei Terriern und Schnauzern) entscheiden, und ihre Kombinationen erklären rund 95 % der Fellvielfalt bei Hunden (Cadieu et al., 2009). Deshalb sprechen Fellpfleger:innen lieber über Felltypen als über Rassen.

Bei mir im Salon sehe ich das jeden Tag – und auch zu Hause: Mein Labrador hat ein kurzes, empfindliches Haut-Fell, mein Mops brauchte wegen der Falten eigene Aufmerksamkeit, mein Griffon trägt reines Handtrimm-Fell, und mein junger Havaneser hat noch das feine, seidige Welpenfell. Vier Hunde, vier völlig unterschiedliche Pflegerhythmen zu Hause. Hier bekommst du die vier wichtigsten Felltypen und was du zwischen den Terminen konkret tun kannst – plus, ganz ehrlich, wo die Wissenschaft mitreden kann und wo es bei gutem Praxiswissen bleibt.

Stockhaar / Doppelfell – die Unterwolle ist der Schlüssel

Hunde mit Doppelfell (z. B. Spitze, Schäferhunde, viele Hütehunde, Huskys) haben zwei Haarschichten: ein glattes Deckhaar und eine dichte, isolierende Unterwolle. Diese Unterwolle wärmt im Winter und schützt im Sommer vor Hitze – deshalb sollte sie nie wegrasiert werden. Das ist keine reine Stilfrage: Bei Hunden mit Doppelfell kann geschorenes Fell dauerhaft ungleichmäßig oder gar nicht mehr richtig nachwachsen, weil die Haarfollikel in der Ruhephase (Telogen) hängen bleiben – ein in der Fachliteratur dokumentiertes Phänomen ("Post-Clipping Alopecia"), das Monate bis über ein Jahr anhalten kann (Diaz et al., 2004; Diaz et al., 2006; University of Minnesota Small and Large Animal Dermatology Handbook).

Was du zwischen den Terminen tun kannst:

  • 2–3× pro Woche mit einem Unterwollrechen bis auf die Haut durchbürsten, nicht nur über das Deckhaar streichen. Oberflächliches Bürsten ist einer der häufigsten Gründe, warum Fell trotz "regelmäßigem Bürsten" verfilzt.

  • Während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst täglich bürsten. Ausgelöst wird der Fellwechsel übrigens primär durch die Tageslichtlänge, nicht durch die Temperatur – deshalb kann er auch bei einem Hund passieren, der viel drinnen lebt.

  • Wenn du eine Schur wünschst, die ich fachlich nicht verantworten kann, sage ich dir das offen und zeige dir Alternativen wie Trimmen oder Ausdünnen der Unterwolle.

Wollfell – wächst weiter, filzt schneller, als du denkst

Pudel, Bichons, Lagottos, viele Doodle-Mischlinge: Ihr lockiges Wollfell wächst kontinuierlich weiter wie menschliches Haar, statt sich saisonal zu erneuern. Der Vorteil: kaum Haaren in der Wohnung. Der Nachteil: abgestorbene Haare bleiben im Fell hängen, statt herauszufallen, und verfilzen sich dort mit dem nachwachsenden Fell zu festen Matten – am schnellsten an Reibungsstellen wie Achseln, hinter den Ohren, unter dem Geschirr und zwischen den Zehen.

Was du zwischen den Terminen tun kannst:

  • Am besten täglich, mindestens aber jeden zweiten Tag mit Bürste und Kamm bis zur Haut durchgehen – kurz, dafür regelmäßig ist besser als selten und lange.

  • Reibungsstellen gezielt kontrollieren, nicht nur das große Fell obendrüber.

  • Nasses Fell vor dem Trocknen bürsten, denn Feuchtigkeit lässt lose Haare noch schneller verfilzen.

  • Nicht zu oft baden: Zu häufiges Waschen entzieht der Haut ihre schützende Fettschicht (Talg/Sebum), die inzwischen als eigenständige Barriere gegen äußere Einflüsse verstanden wird, nicht nur als "Fett" (Schneider et al., 2026).

Wenn sich trotzdem Knoten bilden: einzelne Verfilzungen lassen sich meist noch auskämmen, flächige Verfilzung braucht eine fachliche Einschätzung, und eine geschlossene Matte direkt auf der Haut kann ich meist nur noch scheren, weil sie sonst Feuchtigkeit und Schmutz festhält und die Haut darunter reizt oder entzündet (Merck Veterinary Manual). Schick mir gerne ein Foto, dann sage ich dir ehrlich, was noch geht.

Trimmfell / Drahthaar – ohne Nachhilfe fällt nichts von selbst aus

Terrier, Schnauzer und andere drahthaarige Rassen tragen dieselbe RSPO2-Genvariante, die für die typischen Augenbrauen und den Bart verantwortlich ist (Cadieu et al., 2009). Ihr Fell wechselt sich zwar wie Stockhaar in Phasen ab, aber abgestorbenes Haar löst sich kaum von selbst – es bleibt stecken, bis es herausgezupft oder getrimmt wird. Wird so ein Fell stattdessen geschoren, verliert es mit der Zeit seine drahtige Struktur und Farbe und wird weich und stumpf ("Welpenfell-Effekt").

Was du zwischen den Terminen tun kannst:

  • Regelmäßig kämmen und mit einem Zupfmesser oder Handschuh lose Haare entfernen, statt sie im Fell zu belassen.

  • Auf Verfilzungen an Bart, Augenbrauen und Beinen achten – dort sammelt sich am meisten.

  • Wenn du dir für zu Hause unsicher bist, bring beim nächsten Termin einfach mit, was du verwendest. Ich schaue es mir an und sage dir ehrlich, ob es zum Fell passt.

Kurzhaar / Glatthaar – am wenigsten Aufwand, aber nicht null

Labradore, Möpse, Boxer und andere kurzhaarige Rassen brauchen die am wenigsten intensive Pflege – das heißt aber nicht "keine". Auch kurzes Fell profitiert von regelmäßigem Bürsten mit Gummistriegel oder -handschuh: Es entfernt lose Haare, bevor sie sich in der Wohnung verteilen, und verteilt gleichzeitig den natürlichen Hautfett-Film gleichmäßiger im Fell. Veterinärmedizinisch gilt dieser Talgfilm heute als aktiver Teil der Hautbarriere, nicht nur als kosmetischer Glanzeffekt (Schneider et al., 2026).

Was du zwischen den Terminen tun kannst:

  • Ein- bis zweimal pro Woche kurz bürsten, in der Fellwechsel-Zeit gerne öfter.

  • Bei Hunden mit Falten (wie meinem Mops) die Hautfalten zwischendurch trocken halten und kontrollieren – dort ist kein Fellproblem, sondern ein Hautklima-Thema.

  • Sensible Haut (häufig bei Labradoren) nicht durch zu häufiges Baden zusätzlich reizen.

Was für jeden Felltyp gilt

Unabhängig vom Felltyp gibt es drei Dinge, die sich immer auszahlen:

 

  1. Bis zur Haut bürsten, nicht nur obendrüber. Der mit Abstand häufigste Grund, warum Fell trotz "regelmäßigem Bürsten" verfilzt, ist oberflächliches Bürsten, das nur die Deckhaare glättet.

  2. Nicht öfter baden als nötig. Jedes Bad entfernt einen Teil des schützenden Hautfetts – bei empfindlicher Haut oder Wollfell wirkt sich das schneller aus als bei robustem Kurzhaar.

  3. Hinschauen beim Bürsten. Rötungen, Krusten, wunde Stellen zwischen den Zehen oder hinter den Ohren fallen beim Bürsten meist zuerst auf – lange bevor sie zum größeren Problem werden.

 

Ganz ehrlich, weil das zu meiner Arbeit gehört: Dass Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) die Fettzusammensetzung im Haarschaft und den Hautzustand messbar verbessern können, ist inzwischen in einer randomisierten, placebokontrollierten Studie belegt – allerdings mit Wirkung, die nach Absetzen der Ergänzung über einige Wochen wieder nachlässt (Combarros et al., 2020). Das heißt nicht automatisch, dass jeder Hund eine Nahrungsergänzung braucht; bei Fellproblemen ist das ein Thema für dein:e Tierärzt:in, nicht für den Salon. Und dass bestimmte Bürsten "die Unterwolle um X % reduzieren", wie es in der Werbung oft heißt – dafür kenne ich keine unabhängige Studie. Was tatsächlich zählt, ist die Regelmäßigkeit, nicht das Markenversprechen auf der Verpackung.

Unsicher, welcher Felltyp bei deinem Hund vorliegt oder welche Bürste wirklich passt? Zeig mir dein Fell beim nächsten Termin, dann gehen wir es gemeinsam durch – oder schreib mir jetzt einfach auf WhatsApp.

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